Chrisi trifft auf die Kölner Digital Humanities!

Sind die Digital Humanities nicht wie ein Kölsch, das man vor dem Aachner Rathaus trinkt? Da kann jetzt jeder sich selber was dazu denken! 🙂

Der Himmel über mir erstreckt sich wie ein türkis-karibischer Ozean. Zahllose mit Rucksäcken und Taschen behangen Menschen marschieren zielstrebig, wie Ameisen auf den Wegen, während andere, fast regungslos aus dem Grün in das Blau blicken, ihre akademischen Glieder entspannen und der glühenden Kugel huldigen. Wieder benetzt der billige Geschmack des Mensakaffees meine Zunge, der Körper wandelt erhaltenes Koffein in wissenschaftlich-kreative Ergüsse um. So behauptet es zumindest mein koffeingeschwängertes Gehirn! Ob das kreativ ist, vielleicht, ob das wissenschaftlich ist, weniger vielleicht. Mein Magen ist voll mit Salatbuffet und einem Pudding, den ich nicht gekauft, aber von stark geschminkten Studentinnen, augenrollend und verängstlicht, auf die Frage hin ob sie den Pudding den noch essen würden, erhalten habe. Ich mag Pudding nicht einmal besonders, viel mehr schmeckte mir meine öko-soziale-alles-muss-aufgegessen-werden-haltung. Der süßliche Geschmack der Weltverbesserung! KRITISCH! Da könnte sich Europa eine Scheibe abschneiden von mir!

Was mach ich hier eigentlich? Also nicht die existenzielle Frage des Seins, sondern einfach was mein Fächerkanon hier in Köln ist.

Ein Seminar zur Entwicklung mobiler Applikationen, gefolgt von einem Kolloquium – das ist Texte lesen und darüber akademisch diskutieren, das sich ausführlich mit den theoretischen Grundlagen rund um das Thema Daten, Information und Wissen beschäftigt, stellen die Beschäftigung am Dienstag dar. Am Mittwoch folgt ein praktisch orientierter Kurs zum Thema Content Management Systems und Digitalen Bibliotheken, abgerundet durch ein weiteres Kolloquium das sich philosophisch, theoretisch mit digitalen Texten beschäftigt. Am Donnerstag wird es 3d-virtuell mit zwei Seminaren, wobei im ersten ein Computerspiel implementiert wird und das zweite sich allgemeiner mit wiederverwertbaren 3D Inhalten beschäftigt. Spielidee zum Spiel kann hier nachgelesen werden.

Kemmts wieder amoi!
– Christopher

True Styrian Detectiv: Game-Concept

Bild: Erster Spielweltentwurf
In einem Seminar an der Uni Köln während meines Erasmussemesters wird an einem Computerspiel gearbeitet.
Bei der Spielidee, die ich nun vorstellen will, handelt es sich um ein Detektive-Adventure das sich an “Under a Killing Moon” orientiert. Ein Charakter wird in Egoperspektive durch eine 3D-Welt manövriert und kann mit dieser Welt interaktiv agieren. So wird die Welt nach Hinweisen durchsucht, die gesammelt werden um einen Kriminalfall aufzudecken. Dazu werden Objekte gesucht, in einem Inventar abgelegt, Notizen und Informationen in einem Questlog gesammelt und Zeugen werden befragt und Gespräche mit anderen NPC geführt. Gespräche können unterschiedlich ausgehen, je nach dem welche Antwort vom Spieler verwendet werden.

Das besondere ist, dass der Kriminalfall ein historisches Faktum ist und im Hans Gros Kriminalmuseum der Universität Graz dokumentiert und ausgestellt wird. Somit handelt es sich bei der Spielwelt um eine (steirische) Stadt des 19./20. Jahrhundert. Wobei eine absolut realistische Rekonstruktion von Raum und Objekte zu zeitintensiv wäre, jedoch sollte klar erkennbar sein, dass es sich um einen Mordfall handelt, der im Kriminalmuseum historisch nachvollziehbar ist. Der Fokus liegt viel mehr darauf eine entsprechend Atmosphäre zu erschaffen, die das Erleben historischer Informationen ermöglicht. Ein solcher Fall, die zum Teil wegen ihrer absurden Geschichte von sich aus schon Potenzial haben, könnte z.B. folgender sein:  https://www.youtube.com/watch?v=QlqXOrceBVQ

Das Spiel soll in Unity verwirklicht werden. Objekte müssten mit Blender/3DMax generiert werden, bzw. kann man auf offene Objekte im Unity Asset Store zugreifen ( z.B. ein Holztisch). Je nach spielerische Komplexität müssten unterschiedliche Scripts erstellt werden, die dynamischen Umgang mit den Objekten und der Umwelt ermöglichen (öffnen von Türen, Gespräche führen, Questlog etc.)

Nice to meet you, Digital Humanities!

Die Uni ist voll mit jungen Menschen! Es erinnert mich mehr an einen langen Festivalaufenthalt als an ein Auslandssemester. Englisch sprechen mit unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Nationen (wieder dieses diskussionswürdige Konstrukt!), junge und offene Menschen so weit das Auge reicht. Junge Menschen die so unbekümmert der mächtigen Lebenszeit ins Angesicht, locker grinsend, im Gras liegend, sich wiegend, auf das nächste Kölsch schielend, lachen.
„Hey! What are you studying“ ist eine standardisierte Smalltalk-Einstiegsphrase um ein Gespräch zu beginnen. Nur, was ich stets vergesse, ist, dass ich dann anschließend mein eigenes Studium erklären muss. „I am studying Digital Cultural Heritage Studies“. Schweigen. Inhaltsleere Glasmurmeln, die sich Augen nennen, schauen mich fragend an, nichts ahnend was es mit diesem Studium auf sich hat, „…it sounds…interesting…“
Langsam aber sicher bin ich Experte im Definieren meiner eigenen Disziplin. Man nehme Methoden und Tools der Informatik um geisteswissenschaftliche Fragestellung zu bearbeiten, die ohne Informationsverarbeitung viel zu zeitintensiv wäre. Dies wird nun mit einem Archiv, einer Bibliothek, einem Museum gepaart, wo ja richtig viel drinnen sein kann, bzw. die Inhalte sooooo unendlich statisch sind, dass es unendlich fad ist. Also für andere Menschen fad ist, oder wie oft warst Du schon in einem Archiv? Wie ein mystischer Alchemist bewegt sich der Digital Humanist zwischen der Informatik und der Geisteswissenschaft, stets ein Fremdkörper. Nennt es doch Isabella!
Er (und natürlich auch Sie, wobei nicht höflich sondern weiblich) ist fast so besonders wie die Chefin im Philo-Cafe, das gleich beim Philosophikum unten rechts, wo die Glasfront ist, vor den Radln, ganz genau dort, sich befindet. In diesem eben genannten Cafe umschmeichelt eine zarte Stimme mein Ohr, während die Knospen der Zunge den akademischen Geschmack des günstigen Kaffees verarbeiten (Informationsverarbeitung!).
„Ciao Bella!“, ruft sie einer Studentin nach. „Mein Arzt hat gesagt ich muss viel bewegen“, lacht sie im italienischen Akzent und mit gebrochenem Deutsch. Ein Ausländer wie ich! Ihre Stimme schallt durch das Cafe. Die Stimme ist stark. Wobei stark untertrieben ist. Sie ist klein, schwarzhaarig, kernig und sieht wie eine italienische Matriarchin einer 10-köpfigen Familie aus, die sie ALLE organisiert und dirigiert, so wie sie das Philo-Cafe fest im Griff hat. Sie fängt einfach zum Singen an. Laut zum Singen an! Ich mag diese Frau, wie ich diese Uni, wie ich diese Stadt mag!

-Christopher

Getrennt durch die gemeinsame Sprache

Der Kölner an sich ist freundlich! Ich stimme jetzt nicht in den Reigen Köln-affiner Urteile oder stimme pro-kölsche Chöre an, wie sie vom Reiseführer bis zum kölschen Selbstverständnis existent sind. Nein! Dieses Urteil bilde ich auf Basis meiner empirischen, intersubjektiven Wahrnehmung persönlicher Tatsachen, die in ihrer semantischen Konnotation eine explizite kosmopolitische Konstante mit sich tragen. Man kann so einfache Sachen so kompliziert formulieren. Damit mein pseudointellektuelles Gerede doch noch nach Graz kommt!
Was soll ich auch sonst machen als arbeitsloser Student in einer fremden Stadt, der ausreichend Zeit zum schwadronieren hat. Dem es schon unter den Fingern brennt, dass dieses Entschleunigen, dieses stets erwünschte Entschleunigen, sich doch wieder in einen Alltag wandelt. Aber nicht den faden Alltag, sondern den coolen Alltag. Bissi Uni, bissi Park, bissi Bier, bissi Staubsaugen.
Packen Sie sich warm ein heute!“, fordert mich eine alte Dame auf der Straße auf, weil es ein bissi kalt war. Ein älterer Kölner diskutiert mit mir Schadstoffgrenzen in der Gesundheit die durch die WTO definiert werden. Ich muss mich immer wieder wiederholen, weil ich zu schnell spreche, anders, holprig formuliere, weil ich übersetzen muss. „ Ach Vanillestangen!“, antwortet eine Verkäuferin beim Bäcker, „ sind immer eine jute Wahl. Einmal geschmeckt kommt man nicht mehr ab davon“. Und sie fragt nicht ob man noch einen Wunsch hat, sondern fügt ein knappes: “außerdem?” hinzu.
Ergänzt wird das durch 5-6 maliges Anbieten von Hilfe, wenn ich mit meiner hipster-old-schoolen-straßenkarte von Zeit zu Zeit von meinem blauen Rad runter springen, um mich, wie ein echter Mann – ja! wie ein echter Mann – an Hand einer Karte orientieren muss. Ach ich schmeiße die Karte weg und orientiere mich einfach gröllend, haarig am Geruch von Speck … Mist! Wieder verfahren!
„Wo jets den hin junger Mann?“, ruft ein Kölner rüber. Also der Kölner ist anscheinend doch irgendwie freundlicher wie andere – mit Ausnahme des kölschen Köbe im Brauhaus. Mit Sicherheit aber ist er redselig!
Ich bin schon standarddeutsch redselig. Damit einhergehend wächst eine Angst, dass ich in der Heimat dann auch so schön nach der Schrift spreche! Etwas was sehr verpönt ist! Ich versuche, wenn ich die Worte schon nicht verwende – was ich trotzdem sehr gerne mache –  sie immer mitzudenken: woutl, Ream, aggradd, aufgeign, Semmel, kreizkruzifix … und ich bin der EINZIGE Mensch der „Grüß Gott“ beim Grüßen heraus drückt. Und ständig fragen Erasmus-Student ob man in Österreich auch Deutsch in der Schule hat, oder doch den Dialekt, oder was das auch immer ist. “Du schreibst ja auch auf Facebook so?!“.
Die Niachtn, Gnackwatschn, Ausseer Hardbradler, Ludwig Hirsch, Hubert von Goisern … hör ich. Nein! Ich singe lautstark mit … *wir san woach wia a Wuikal, wir san broad wia die Autobohn, wir san dicht wie a Uboot, wei uns die Wöd oafoch gern hobn konn* … schließlich darf ich nicht die “gemeinsame” Sprache verlernen.
Pfiad eich!

Köln: Blaue Walknochen im Rhein

Der Himmel ist blau und der Rest deines Lebens liegt vor dir, vielleicht wäre es schlau dich ein letztes Mal umzudrehen, du weißt nicht warum, aber irgendwie packt dich die Neugier, ein gutes Gefühl… so singen die Ärzte. Das trifft es ganz gut in Köln zur Zeit für mich.

Zum Rhein zum Rhein zum Deutschen Rhein…“, singt mein Kopf dann doch ab und an, wenn meine Sehorgane die Bildinformation des Rheins an das Hirn weiterleiten – trotz des deutschnationalen Mief. Wenn man selber doch nur halb so breit sein könnte wie der Rhein. Aber das ist gar kein deutscher Rhein! Multikulturell, Migration, Menschen, Studentenaustausch! Wenn Engländer und Franzosen deutsch sprechen – ja! Franzosen! Wegen der deutsch-französischen Freundschaft. Die soll man nie vergessen! Wenn Österreicher und Australier über ihr gemeinsames Land sprechen, wenn Spanier und Ungarn beer-pong spielen. Das alles am “deutschen” Rhein, da würde sich der alte Kaiser Wilhelm im Grabe umdrehen, wenn er da nicht oben auf der Reiterstatue zu seinem “deutschen” Rhein schauen würde. Man sollte sich mal was neues einfallen lassen. Das mit den Nationen und dem Nationalismus ist doch wirklich schon längst überholt! Ein bisschen mehr freundlich sein, offen sein. Köln, so find ich, ist ziemlich offen. Ganz entnationalisiert! Ich weiß gar nicht, ob es das Wort gibt, aber ich weiß, dass in Köln in St. Maria am Kapitol in Köln Knochen von einem Wal hängen, wie das Bild oben beweist. Der Wal war aus dem Rhein, so stand da geschrieben und hatte sich damals verirrt. Anscheinend hatte der keie andere Wahl! Und mit ziemlicher Sicherheit war der kein Deutscher.

Solche Gedanken kommen mir halt, während ich auf meinem blauen Rad durch die Stadt düse und mir die Kirchen der Stadt anschaue. Die Kirchen sind wirklich prächtig, also die Bauwerke, sonst find ich die Kirche nicht so prickelnd. Aber da kommt schon Stimmung auf, ja Gänsehaut, wenn man einem Chor bei einer Messe lauscht, während man am Sarkophag der ottonischen Kaiserin Theophanu, dem-Atem-der-Geschichte-erliegend, verweilt. Die war übrigens auch keine Deutsche, sondern aus Byzanz. DSCN6854

Die Blähungen sind am abnehmen, ja am verschwinden. In der Kirche hab ich natürlich nicht gepupst! Nur wenn ich Kaffee trinke aus Tassen, die ich nicht mit alten Frauen teilen muss.

Auf zur nördlichsten Stadt Italiens: Köln!

In Sözthoi gibt’s nur Gleis und bese Weiba!“, zischt mir eine ältere, gepflegte Frau zu, während sie hektisch von streirisch-grünen Heizkörper zu steirisch-grünen Heizkörper eilt. Ihr scheint kalt zu sein, trotz ihres mächtigen, weinroten Pelzmantels. Vielleicht war die karierte Pyjamahose der wunde Punkt ihres Kälteschutzes. Sie war keine Frau, viel mehr eine Offenbarung. Eine Offenbarung des Weltschmerzes der Menschheit, führte sie mir doch kritisch vor Augen, wie grausam alle menschlichen Kulturen doch seien, spricht von Weltkriegen, vergangen und künftigen. Wahrlich, die Dame war eine Offenbarung, oder doch einfach nur schizophren!? Aber sympathisch schizophren! Schließlich genoss ich es ihren Worten zu lauschen, stimmte da und dort ihren Verschwörungstheorien kopfnickend zu, bekundete, dass ich aus Trieben sei, wo ja sowieso kein Zug stehen bleibe, während ich auf meinen Zug wartete. Dann stürmt sie, weltschmerzgeplagt aus dem Warteraum mit den steirisch-grünen Heizkörpern. Ich hätte doch den Schluck Kaffee aus ihren Automatenplastikbecher annehmen sollen, den sie mir, um das Gespräch zu eröffnen, angeboten hatte….

Leck mich in de Täsch! Kernölversorgt beschreite ich den Zug nach Köln.

Mit dem Rad an einem sonnigen Märztag gschreams durch Köln zu düsen. Vorbei am Dom, vorbei am Rathaus, vorbei am Ratsturm, vorbei an der Uni. Das ist Freiheit! Nichts drückt – wobei… ich hab ein bisschen Blähungen.
Bei ein paar Kölsch Doppelkopf spielen im Kreise eingefleischter 1.FC Köln-Fußballfans. Vielleicht werde ich ja auch noch einer. Doppelkopf und Kölsch Fan bin ich schon! Kaffee mag ich auch. Nicht auf dem Rad, aber aus dem Becher pyjamahosentragender Kritikerinnen!

Meinungen in Twitterdiskursen. Potenziale der automatisierten Inhaltsanalyse.

DHd-2015:

In den Politikwissenschaften und der Kommunikationswissenschaft ist es von zentraler Bedeutung Stimmungen politischer, gesellschaftlicher Meinungen einzufangen und diese in Modelle, Prognosen oder anderen Kontexte zu stellen. Soziale Medien können ein Medium sein, das dafür brauchbare Daten anbieten kann, da unterschiedliche Akteure dort politische Meinungen zwitschern. Ines Engelmann sprach an der DHd ob solche Meinungen mittels Computerlinguistik automatisiert gesammelt werden können. Eine manuelle Bearbeitung solcher Meinungen in tweets ist, verständlicherweise, zu ressourcenintensiv und ganz im Sinne der DH nähert man sich dem Thema aus einer methodischen Sicht, ob diese Methoden funktionieren können, bzw. wie weit man bereits Daten herausfiltern kann. Weiter Infos gibt es hier.

Ich sehe darin ein enormes Potenzial an unterschiedlichsten Daten, die man aus diesem Konvolut an unterschiedlichen Meinungen zu unterschiedlichen Themen sammeln kann und das nicht für die Kommunikationswissenschaften, sondern für alle Geisteswissenschaften, je nach dem was über das Medium twitter kommuniziert wird. Ich möchte zu dieser Herangehensweise noch hinzufügen, dass auf irgendeine Art und Weise, die Meinungen ,die heute auf twitter kommuniziert werden, für aktuelle, aber auch spätere Forschungen interessant sein werden. Ein Historiker in er Zukunft könnte sich durchaus für Meinungen unsere Zeit interessieren, jedoch bleiben die tweets, höchst wahrscheinlich, nicht erhalten. Aber sollten Daten, die für historische Forschung der Zukunft relevant sein könnten erhalten bleiben? Klingt dieser Formulierung nicht ein bisschen paradox? Sind dies dann überlieferte Traditions-Überreste. Droysen würde sich im Grabe umdrehen.

Aber Dokumentationen und Arbeiten, die, die Meinungen, basierend auf dieser Datengrundlage sammeln, sollten durchaus erhalten bleiben. Die vieldiskutierte Frage der DHd, ganz allgemein, ist dieses Problem.

Ich muss gleich mal meine politische Meinung twittern! Natürlich nur für die Wissenschaft und nicht weil ich mir wichtig vorkomme! 😛