Irgendwo auf einem Platz.

**The breath of the morning … **

**Living in the Stein… **

Kurt Cobain selbst spielt mit seiner Gitarre auf. Er sieht zumindest aus wie Kurt Cobain. Rechts von mir sitzt ein alter Mann in einer schwarzen Lederjacke, blaue Adern bahnen ihre Verästelungen seinen ledrig, faltrigen Hals rankengleich hoch und versorgen das antike Haupt zirkulierend mit Blut. So vermute ich doch. Auf meiner linken Seite das Gegenteil. Saftig junge Menschen, frisch und lebendig, ein junges Pärchen. Hinter ihnen ein Markt, ein Büchermarkt. Wieder eher mit altem Bestand. Hier sind sowieso ganz viele Märkte.

Aufbruchsstimmung, Gänsehaut. Dieser Kurt Cobain ist ein verdammt guter Musiker. Mich hat er gepackt und auch viele um mich herum hier auf diesen Platz. Ich weiß gar nicht wie der Platz heißt. Ich weiß gar nicht wie ich hier her gekommen bin. Ich bin einfach hier angekommen nachdem ich ein paar Stunden mit 4 Schwäbinnen im Auto verbracht haben. Wir sind nach Norden gefahren. Die hab ich eigentlich auch nicht gekannt, die waren aber ganz nett.

Roter Backstein, ein Boot auf einem Kanal, eine Bande grölender Touristen. Was riecht hier so süßlich, fremd und doch bekannt? Der Geruch kommt aus diesem Laden, Coffee steht da. Ich mag Kaffee! Aber die verkaufen hier gar keinen Kaffee….
Was für eine fremde Welt!
Der alte Mann neben mir fängt an, während der Typ aufgeigt – aufgeigen ist ein Wort das der Deutsche gar nicht kennt! – seine Fingernägel zu schneiden. Während er zur Musik mitsummt. Der Mann ist die Reinkarnation der Freiheit! Aber auch der Kurt Cobain, aber eigentlich ich auch! Cool!

Wir düsen durch diese Stadt! Zahllose Radfahrer preschen bei uns vorbei. Sie sind nicht in Eile, sie sind in Raserei so schnell wie möglich in ihrer verradfahrten Stadt von A nach B zu kommen. Ich sitze auf dem Gepäcksträger eines Rades, ein Typ den ich vor Jahren auf einem Festival in Budapest kennen gelernt habe fährt mich durch diese Stadt. Mich, einen Österreicher der in Deutschland ein Auslandssemester macht und der gerade hier in den Niederlanden für zwei Tage in Amsterdam ist. So schön kann Europa doch auch sein!

Kemmts wieder einmal vorbei!
-Christopher

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An Verlängerten mit SemanticWeb, OAI-PMH und Rote Rübensaft

Heute hab ich kein Bild. Stellt euch halt irgendwas vor!

Zülpicher Straße, 09:29 Uhr. Cafe Krümel. Der 9. Juni 2015. Köln. Ich sitze bei einem einfachen Frühstück und einem Kaffee. Mir scheint es ist sogar ein Verlängerter, aber die Deutschen nennen das nun mal Kaffee und nicht Verlängerten. Die Semmeln sind auch deformiert und werden Brötchen genannt. Schmecken aber genau gleich. Das Wasser hab ich gleich dazu bestellt, muss man auch, weil es ist ja nicht vorher schon klar, dass man zum Kaffee auch Wasser trinkt.
Ach! Deutsche?!
Sie sprechen das auch ganz anders aus. Bei mir hört man das da zwei „e“ sind. Viel melodischer, viel habsburgischer! Auch hat die junge Kellnerin ganz überrascht geschaut als ich sagte: „Gnädigs Fräulein, küss die Hand! I hät gern an Verlängerten und a Semmerl mit Marillenmarmelade bittsche!“. Sie meinte schroff wenn ich einen Verlängerten haben will soll ich in den Puff! „Wenns dort an guadn Kaffee hom….“
Nein! Das war jetzt gelogen. Ich lese hier eigentlich Texte über das Semantic Web und über das OAI Protocl for Metadata Harvesting. Ich glaube im Bordell kennt man sich so gut aus mit Semantic Web, wie die SPÖ zu ihrem Wort steht. Also gar nicht. Man stelle sich vor, der Jörgi würde noch leben und die Hypo wäre noch nicht aufgefallen, UN Truppen würden mit antifaschistischen Widerstandskämpfern in den Häusergräben Wiens mit Poolnudeln auf die rechten Bubis hauen. Ich bin sowieso für die Einführung von Poolnudel-Kämpfen in ideologischen Auseinandersetzungen. Politisch kenn ich mich halt aus!
Ach! Die Ösis, sind gerade dabei die Demokratie zu entdecken! Bei uns würds sowas nicht geben.

Barbarossaplatz, nach 22:99 Uhr. Kiosk. 15.Juni. Köln. Geh in den Kiosk um mir ein Getränk zu kaufen. Brauche länger wegen der Auswahl. Der ausländische Kioskmitarbeiter steht zuerst draußen, verschwindet dann hinter einer Hintertür. Deswegen auch die Bezeichnung Hinter-tür. Plötzlich zwicken mich zwei Finger von hinten in die Rippen. Wir sehen uns in die Augen, ich und der Kioskmitarbeiter. Ich war auf alles gefasst, Kampf, Flucht, Raserei, Mord!

„Bist du kitzlig!?“,
„Bitte?!“
„Ob die kitzlig bist. Ich bin kitzlig auf der Seite.“

Anscheinend ist es guter Brauch im Kiosk die Leute zu kitzeln. Mit diesem neuem Wissen freue ich mich auf den nächsten Kioskbesuch!

Die Kölner sind so offen und plaudern gern, man glaubt es nicht. Heute hat mich auch eine Frau bei Rewe angesprochen, als sie den Rote Rübensaft nicht gefunden hat. Der solle nämlich den Blutdruck senken und ob ich das den nicht so gerne mag, wo ich entgegnete, dass ich das sogar sehr gerne mag, aber nicht als Saft, sondern als Salat, mit ordentlich Krenn drinnen. #Salattiger

Kemmts wieder einmal vorbei!
-Christopher

Leckerer Atem der Geschichte in NRW

Der Holunderstrauch steht in voller Blüte! Er schreit danach, sich zu versaften. Mich wundert es nicht, dass der Holunder solch weiß strahlende Blühten hier im Rheinland wirft. Welch Historizität haben schon diese Blüten gesehen, welch Geschichtlichkeit packt mich, mit titanener Hand am Historikergemächt:
Die Symbolfigur des christlichen Europas, Karl der Große, mit dessen Thron ich ein Selfie gemacht hab. Am Grabe Kaiserin Theophanu, einer der mächtigsten Frauen des Mittelalters, wo mich der Atem der Geschichte eingeholt hat. Am Geburtshaus Beethovens, wo ich mir wieder bewusst wurde, dass ich mich mit Musik so gar nicht auskenne. Der nähren Umwelt Karl Marx, dessen Theorien die Weltgeschichte prägten. Am Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom, einer Pilgerstätte zu der tausende und abertausende Menschen eilten. In der Bundeshauptstadt der BRD, geistig Arm in Arm mit Adenauer voran schreitend für ein geeintes und besseres Europa! Erasmus ist ein guter Weg, Mauern zu zerschlagen und an deren Stelle Brücken zu bauen. So hab ich schon mit fast ganz Europa – stellvertretend –  ein Bier getrunken. Und Leute die miteinander Bier trinken sind Freunde!

Szenenwechsel!

Ich sitze mit einem lecker angebratenen, halben Hähnchen auf einer Parkbank auf einem Spielplatz gleich neben dem ZfL, dem Ort wo ich arbeite. Mittagspause. Meine Finger reißen Stücke aus dem saftigen Fleisch. Meine Geschmacksknospen tanzen! Ein kleines Mädchen eilt vorbei, mit großen Augen auf das Fleisch blickend entfuhr ihr ein zittriges: “Ach! Hähnchen“. Wäre ich nicht voller Futterneid mit zwei größeren Brüdern aufgewachsen und hätte ich es nicht komisch gefunden als erwachsener Mann Kindern am Spielplatz Hähnchenfleisch zu füttern, hätte ich ihr ein Stückchen gegeben. Aber spätestens als ich meine blauen Heidelbeeren aus der Packung nahm, und mich das erste Kind fragte, ob sie den auch eine Blaubeere haben darf, gierten die Kinder wie Spatzen oder Tauben und plünderten meinen Heidelbeerbestand. Naja! Ich hatte ja schon ein Hähnchen. Was aber nicht zu verwechseln ist mit einem Halben Hahn. Das ist kölsch für ein Roggenbrötchen mit einem dicken Stück Käse und Senf. Ach dieses Europa. Dort blüht halt noch der Holunder. Und warum schreibt man blühen mit h und Blüte nicht?

Kemmts wieder einmal vorbei!
-Christopher

Blended Marx: Arbeit und Erasmus

Das Underground in Köln. Wahrlich ein (ver)blended-er Ort! Hat eigentlich nichts mit dem Text jetzt zu tun!

Ich bin gar kein Erasmus-Student. Erasmus-Studenten feiern ununterbrochen und bereisen ganz Europa. Ich bin ausreichend belegt mit Seminaren oder Kursen und arbeite auch noch. Arbeiten? Während eines Auslandssemesters?! Arbeiten als Student?! Wieso arbeiten Studenten überhaupt? Wieso arbeitet man überhaupt? Hat nicht der alte Karl Marx bereits die Arbeit als grundlegenden Prozess zwischen Mensch und Natur gesehen? So ist doch ein sich in die Welt-setzen die Arbeit eines Studenten! Und warum lese ich eigentlich ein Buch über Karl Marx? Weil ich mir dann so unheimlich schlau vorkomme! Und was arbeite ich überhaupt? Was noch viel Schlaueres!

Ich arbeite, nicht nur am mich in die Welt-setzen, oder als Setzer in der Veitsch – beides stets erfolgreich – sondern zur Zeit auch als wissenschaftliche Hilfskraft am Zentrum für LehrerInnenbildung an der Uni Köln. Dort arbeite ich mit, eine e-Learning/Blended Learning unterstützte Lernumgebung für Lehramtsstudierende im Praxissemester zu entwickeln. Blended Learning ist der Versuch den viel erörterten Begriff des e-Learnings praktisch brauchbar umzusetzen. Also wirklich praktisch und nicht so unbeholfen, wie man das (leider) so oft erlebt. Dort werden e-Learning Prinzipien mit Präsenzeinheiten mit einem Lehrenden kombiniert, um Synergien ausschlachten zu können – ausschlachten ist in dem Zusammenhang aber ein hartes Wort. Die Arbeit des Fleischhauers ist in seinem Ausschlachten, ein sich in die Welt-setzen und eine Kuh aus der Welt setzen. Oder so…

Die kleine Susi studiert Geschichte im 3.Semester an einer Universität. Susi ist keine Kuh und setzt sich in die Welt! Ihre Professoren sind IT-affin und wollen e-Learning, ja sogar Blended Learning anwenden um ihren Unterricht zu modifizieren. Susi erarbeitet in einem Lernmodul unterschiedlichste Lernziele. So liest sie einen Text zur kritischen Kapitalismusanalyse, schreibt ein kurzes Essay darüber in einer kollaborativen Schreibumgebung, ladet es hoch und bringt in ihrer Schreibtätigkeit die Zusatzinformationen aus einem Podcast und aus der Forendiskussion mit Kolleginnen und Kollegen mit ein. In der Pärsenzeinheit wird nun gemeinsam mit dem Dozenten über die Essays diskutiert, Feedback gegeben und gemeinsam an neuen Lernzielen gearbeitet, die dann wiederum als online Session kollaborativ von Studenten erarbeitet werden müssen. Susi kann lernen wo sie will, wann sie will und erhaltet gut abgestimmtes Feedback auf ihre Leistungen, ohne, dass man sich fadisierend administrative Inhalte oder Referate von Kolleginnen anhören muss. Ich arbeite daran mit, dass an der Uni Köln ungefähr so etwas etabliert werden kann.

Kemmts wieder amoi!
– Christopher

True Styrian Detectiv: Game-Concept

Bild: Erster Spielweltentwurf
In einem Seminar an der Uni Köln während meines Erasmussemesters wird an einem Computerspiel gearbeitet.
Bei der Spielidee, die ich nun vorstellen will, handelt es sich um ein Detektive-Adventure das sich an “Under a Killing Moon” orientiert. Ein Charakter wird in Egoperspektive durch eine 3D-Welt manövriert und kann mit dieser Welt interaktiv agieren. So wird die Welt nach Hinweisen durchsucht, die gesammelt werden um einen Kriminalfall aufzudecken. Dazu werden Objekte gesucht, in einem Inventar abgelegt, Notizen und Informationen in einem Questlog gesammelt und Zeugen werden befragt und Gespräche mit anderen NPC geführt. Gespräche können unterschiedlich ausgehen, je nach dem welche Antwort vom Spieler verwendet werden.

Das besondere ist, dass der Kriminalfall ein historisches Faktum ist und im Hans Gros Kriminalmuseum der Universität Graz dokumentiert und ausgestellt wird. Somit handelt es sich bei der Spielwelt um eine (steirische) Stadt des 19./20. Jahrhundert. Wobei eine absolut realistische Rekonstruktion von Raum und Objekte zu zeitintensiv wäre, jedoch sollte klar erkennbar sein, dass es sich um einen Mordfall handelt, der im Kriminalmuseum historisch nachvollziehbar ist. Der Fokus liegt viel mehr darauf eine entsprechend Atmosphäre zu erschaffen, die das Erleben historischer Informationen ermöglicht. Ein solcher Fall, die zum Teil wegen ihrer absurden Geschichte von sich aus schon Potenzial haben, könnte z.B. folgender sein:  https://www.youtube.com/watch?v=QlqXOrceBVQ

Das Spiel soll in Unity verwirklicht werden. Objekte müssten mit Blender/3DMax generiert werden, bzw. kann man auf offene Objekte im Unity Asset Store zugreifen ( z.B. ein Holztisch). Je nach spielerische Komplexität müssten unterschiedliche Scripts erstellt werden, die dynamischen Umgang mit den Objekten und der Umwelt ermöglichen (öffnen von Türen, Gespräche führen, Questlog etc.)

Nice to meet you, Digital Humanities!

Die Uni ist voll mit jungen Menschen! Es erinnert mich mehr an einen langen Festivalaufenthalt als an ein Auslandssemester. Englisch sprechen mit unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Nationen (wieder dieses diskussionswürdige Konstrukt!), junge und offene Menschen so weit das Auge reicht. Junge Menschen die so unbekümmert der mächtigen Lebenszeit ins Angesicht, locker grinsend, im Gras liegend, sich wiegend, auf das nächste Kölsch schielend, lachen.
„Hey! What are you studying“ ist eine standardisierte Smalltalk-Einstiegsphrase um ein Gespräch zu beginnen. Nur, was ich stets vergesse, ist, dass ich dann anschließend mein eigenes Studium erklären muss. „I am studying Digital Cultural Heritage Studies“. Schweigen. Inhaltsleere Glasmurmeln, die sich Augen nennen, schauen mich fragend an, nichts ahnend was es mit diesem Studium auf sich hat, „…it sounds…interesting…“
Langsam aber sicher bin ich Experte im Definieren meiner eigenen Disziplin. Man nehme Methoden und Tools der Informatik um geisteswissenschaftliche Fragestellung zu bearbeiten, die ohne Informationsverarbeitung viel zu zeitintensiv wäre. Dies wird nun mit einem Archiv, einer Bibliothek, einem Museum gepaart, wo ja richtig viel drinnen sein kann, bzw. die Inhalte sooooo unendlich statisch sind, dass es unendlich fad ist. Also für andere Menschen fad ist, oder wie oft warst Du schon in einem Archiv? Wie ein mystischer Alchemist bewegt sich der Digital Humanist zwischen der Informatik und der Geisteswissenschaft, stets ein Fremdkörper. Nennt es doch Isabella!
Er (und natürlich auch Sie, wobei nicht höflich sondern weiblich) ist fast so besonders wie die Chefin im Philo-Cafe, das gleich beim Philosophikum unten rechts, wo die Glasfront ist, vor den Radln, ganz genau dort, sich befindet. In diesem eben genannten Cafe umschmeichelt eine zarte Stimme mein Ohr, während die Knospen der Zunge den akademischen Geschmack des günstigen Kaffees verarbeiten (Informationsverarbeitung!).
„Ciao Bella!“, ruft sie einer Studentin nach. „Mein Arzt hat gesagt ich muss viel bewegen“, lacht sie im italienischen Akzent und mit gebrochenem Deutsch. Ein Ausländer wie ich! Ihre Stimme schallt durch das Cafe. Die Stimme ist stark. Wobei stark untertrieben ist. Sie ist klein, schwarzhaarig, kernig und sieht wie eine italienische Matriarchin einer 10-köpfigen Familie aus, die sie ALLE organisiert und dirigiert, so wie sie das Philo-Cafe fest im Griff hat. Sie fängt einfach zum Singen an. Laut zum Singen an! Ich mag diese Frau, wie ich diese Uni, wie ich diese Stadt mag!

-Christopher

Getrennt durch die gemeinsame Sprache

Der Kölner an sich ist freundlich! Ich stimme jetzt nicht in den Reigen Köln-affiner Urteile oder stimme pro-kölsche Chöre an, wie sie vom Reiseführer bis zum kölschen Selbstverständnis existent sind. Nein! Dieses Urteil bilde ich auf Basis meiner empirischen, intersubjektiven Wahrnehmung persönlicher Tatsachen, die in ihrer semantischen Konnotation eine explizite kosmopolitische Konstante mit sich tragen. Man kann so einfache Sachen so kompliziert formulieren. Damit mein pseudointellektuelles Gerede doch noch nach Graz kommt!
Was soll ich auch sonst machen als arbeitsloser Student in einer fremden Stadt, der ausreichend Zeit zum schwadronieren hat. Dem es schon unter den Fingern brennt, dass dieses Entschleunigen, dieses stets erwünschte Entschleunigen, sich doch wieder in einen Alltag wandelt. Aber nicht den faden Alltag, sondern den coolen Alltag. Bissi Uni, bissi Park, bissi Bier, bissi Staubsaugen.
Packen Sie sich warm ein heute!“, fordert mich eine alte Dame auf der Straße auf, weil es ein bissi kalt war. Ein älterer Kölner diskutiert mit mir Schadstoffgrenzen in der Gesundheit die durch die WTO definiert werden. Ich muss mich immer wieder wiederholen, weil ich zu schnell spreche, anders, holprig formuliere, weil ich übersetzen muss. „ Ach Vanillestangen!“, antwortet eine Verkäuferin beim Bäcker, „ sind immer eine jute Wahl. Einmal geschmeckt kommt man nicht mehr ab davon“. Und sie fragt nicht ob man noch einen Wunsch hat, sondern fügt ein knappes: “außerdem?” hinzu.
Ergänzt wird das durch 5-6 maliges Anbieten von Hilfe, wenn ich mit meiner hipster-old-schoolen-straßenkarte von Zeit zu Zeit von meinem blauen Rad runter springen, um mich, wie ein echter Mann – ja! wie ein echter Mann – an Hand einer Karte orientieren muss. Ach ich schmeiße die Karte weg und orientiere mich einfach gröllend, haarig am Geruch von Speck … Mist! Wieder verfahren!
„Wo jets den hin junger Mann?“, ruft ein Kölner rüber. Also der Kölner ist anscheinend doch irgendwie freundlicher wie andere – mit Ausnahme des kölschen Köbe im Brauhaus. Mit Sicherheit aber ist er redselig!
Ich bin schon standarddeutsch redselig. Damit einhergehend wächst eine Angst, dass ich in der Heimat dann auch so schön nach der Schrift spreche! Etwas was sehr verpönt ist! Ich versuche, wenn ich die Worte schon nicht verwende – was ich trotzdem sehr gerne mache –  sie immer mitzudenken: woutl, Ream, aggradd, aufgeign, Semmel, kreizkruzifix … und ich bin der EINZIGE Mensch der „Grüß Gott“ beim Grüßen heraus drückt. Und ständig fragen Erasmus-Student ob man in Österreich auch Deutsch in der Schule hat, oder doch den Dialekt, oder was das auch immer ist. “Du schreibst ja auch auf Facebook so?!“.
Die Niachtn, Gnackwatschn, Ausseer Hardbradler, Ludwig Hirsch, Hubert von Goisern … hör ich. Nein! Ich singe lautstark mit … *wir san woach wia a Wuikal, wir san broad wia die Autobohn, wir san dicht wie a Uboot, wei uns die Wöd oafoch gern hobn konn* … schließlich darf ich nicht die “gemeinsame” Sprache verlernen.
Pfiad eich!