Day of DH: What does a EuroMACHS-Student actually do all day?

„Was ich denn studiere?“ war eine oft gestellte Frage von anderen Erasmus Studenten dieses Sommersemester in Köln. Ich bezeichne es immer als „Digitales Kulturerbe“, da man sich mit diesem Begriff – so hoffe ich zumindest – etwas Besseres vorstellen kann, als unter der offiziellen Bezeichnung: European Multimedia Arts and Cultural Heritage Studies (= EuroMACHS). Ich bin Österreicher, der in Graz diesen Master studiert. Stets folgten fragende Gesichter, zweifelhaftes Nicken, Ungewissheit auf meine Ausführungen und Erklärungsversuche, was den “Digitales Kulturerbe” oder die Digital Humanities (=DH) seien. Im Zuge des Day of DH möchte ich den Versuch wagen an einem konkreten Beispiel aufzuzeigen was ein Student des “Digitales Kulturerbes” den Tag lang macht.

Im zweiten Studienjahr, wenn ich wieder in Graz bin, werden ich und meine KollegInnen das Hans Gros Kriminalmuseum, projektbegleitend, digitalisieren. Das erfolgt nicht in dem Sinne, dass wir Akten scannen oder Objekte fotografieren, sondern, dass wir Methoden und Tools der Informatik verwenden, um geisteswissenschaftliche Fragestellungen zu behandeln.
In diesem Museum sind Akten und Artefakten aus dem 19. und 20. Jahrhundert dokumentiert, die als Zeugen unterschiedlicher, zum Teil sehr makabere, Kriminalfälle der Steiermark gesehen werden können. Wie das Projekt umgesetzt wird steht noch aus. Ich für meinen Teil könnte mir sehr gut vorstellen, dass ein Computerspiel designt und implementiert wird, dass es einem Besucher ermöglichen würde, interaktiv und spielerisch, einen Kriminalfall dieser Zeit nachspielen zu können. Hier soll nicht der Schwerpunkt auf klassischer Rekonstruktion der Fälle gelegt werden, sondern auf die virtuelle Erfahrung einen historischen Fall selbst erleben zu können. Um dies umsetzen zu können, bedarf es sowohl geisteswissenschaftlicher Arbeit, um die Inhalte des Museums zu erfasse und zu analysieren, sowie dem technischem Know-how ein Computerspiel zu implementieren.

Zuerst zur Spielidee: Kommissar Gruber, die Spielfigur, muss in einem Detective-Adventure den Fall der vermissten Frau Josep, die im Jahre 1922 in Graz spurlos verschwunden ist, lösen. Nach einem kurzen Briefing mit einem Gendarmen marschiert Kommissar Gruber durch die virtuelle 3D-Welt, spricht mit NPC’s, sammelt Hinweise, dokumentiert diese in seinem Logbuch und muss Minispiele absolvieren. Jeder dieser Inhalte ist an den tatsächlichen historischen Fakten orientiert. So sollte die Geschichte um die ermordete Frau Josep, deren Leich1e in einer Säule monatelang eingegipst war, durch das Spielen erzählt werden, wie es ein Besucher im Kriminalmuseum in Graz vorfinden würde. Natürlich handelt es sich um ein sehr grausliches Thema, aber gerade das ist die Besonderheit dieses Museums und sollte sich auch im Spiel wiederfinden. Zu diesem Kriminalfall gibt es vom Kriminalmuseum ein Video.

Umgesetzt wird dieses Projekt im Zuge einer Gruppenarbeit in einem Seminar bei Prof. Thaller. Dazu wird die Game Engine Unity verwendet, in der man 3D Welten erstellen kann und mittels Scripting (JavaScript, C#) unterschiedliche Funktionalitäten implementieren kann. Weiteres werden Objekte mit 3D-Software wie Blender generiert, bzw. greifen wir in diesem Projekt, ganz im Sinne des Open Source Gedanken, auf bereits von anderen Personen erstellte Objekte, Scripts oder Inhalte zurück.

Zumindest werden nach diesen Ausführungen die Gesichter weniger fragend, das Nicken bestimmter und Ungewissenheit zerstreuter. Für mich ist genau das “Digitales Kulturerbe”.

– Christopher Pollin

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